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Allen & Overy-Studie: Mehr Frauen in Führungspositionen – auf dem Weg zur Geschlechterparität

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26 Mai 2020

Die Unternehmen in Deutschland machen Fortschritte bei der Gleichstellung von Frauen und Männern in Führungspositionen. Allerdings bestehen auch mehrere Jahre nach Einführung des Gesetzes zur gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst ("Führungspositionen-Gesetz") immer noch deutliche Unterschiede. Dies geht aus der zweiten Studie "Gender Diversity" von Allen & Overy hervor, für die Angaben der im DAX und MDAX notierten Gesellschaften ausgewertet wurden. Das Frauenquote-Gesetz trat im Mai 2015 in Kraft.
  • Unterschiede zwischen DAX und MDAX bei Zielgrößen für Frauenanteil im Vorstand
  • Trend zu mehr weiblichen Vorgesetzten vor allem unterhalb des Vorstands sichtbar
  • Erster DAX-Konzern legt 50-prozentigen Frauenanteil als Ziel für zweite Führungsebene fest

Eine deutliche Mehrheit der untersuchten Unternehmen strebt an, mindestens eine Frau in den Vorstand zu holen. Lediglich 7,7 Prozent der DAX-Konzerne definieren für das oberste Entscheidungsgremium noch die Zielgröße Null – im Jahr 2015 hatte dies noch für jedes dritte Unternehmen (33,3 Prozent) im wichtigsten deutschen Börsenindex gegolten. Im MDAX planen zwar weiterhin 48,1 Prozent der Unternehmen ohne Frau auf der Chefetage. Eine Tendenz zu mehr Gleichstellung ist jedoch auch dort zu erkennen, hatte doch 2015 der entsprechende Anteil noch bei 75,6 Prozent gelegen. Insgesamt formulieren die DAX-Konzerne etwas ambitioniertere Ziele als die im MDAX notierten Gesellschaften: Während im DAX als Zielmarke eine Frauenquote von durchschnittlich 18,5 Prozent für den Vorstand ausgegeben wird, liegt die angestrebte Quote im Durchschnitt der MDAX-Unternehmen bei 12,1 Prozent. Betrachtet man beide Indizes zusammen, gilt: Gut jedes zehnte Unternehmen (DAX: 11,5 Prozent; MDAX: 11,1 Prozent) strebt einen Frauenanteil von 30 Prozent oder mehr für seinen Vorstand an.

„Es ist zweifellos noch ein weiter Weg bis zur Parität von Frauen und Männern in Führungspositionen. Unternehmen gehen das Thema aber an“, sagt Dr. Katharina Stüber, Aktienrechtsexpertin bei Allen & Overy in Frankfurt und Autorin der Studie. „Gerade für den Vorstand scheint es besonders schwierig zu sein, die von der Politik gewünschten ambitionierten Ziele für den Frauenanteil zu setzen.“

Mehr Dynamik ist indes auf der ersten und zweiten Führungsebene unterhalb des Vorstands zu beobachten: Für die erste Management-Ebene streben die DAX-Konzerne inzwischen eine durchschnittliche Quote von 21,4 Prozent an (2015: 15,7 Prozent). Ein ähnliches Bild zeigt sich auch im MDAX: Dort wird im Schnitt ein Anteil von 20,3 Prozent angestrebt (2015: 15,2 Prozent). Auf der zweiten Führungsebene unterhalb des Vorstands wollen die Unternehmen beider Börsen-Indizes im Durchschnitt jede vierte Position (Zielgröße: 24,4 Prozent) mit einer weiblichen Führungskraft besetzen. Erstmals hat zudem ein DAX-Konzern für diese Ebene einen Frauenanteil von 50 Prozent festgelegt und strebt damit Parität an. 

„Dies sind sehr klare Anzeichen dafür, dass sich die Pipeline der weiblichen Führungskräfte tatsächlich füllt", kommentiert Stüber. „Aktuell ist jedoch häufig die Rede davon, dass die Coronakrise die Karriereentwicklung von Frauen durch die akute Doppelbelastung aus Job und Familie zurückwerfe. Aber warum die Krise nicht als Chance sehen? Das Homeoffice trifft schließlich Frauen und Männer. Wir sehen jetzt: Managen über Video- und Telefonkonferenzen funktioniert in der Krise durchaus – warum nicht auch danach?“, so Stüber weiter. 

Häufig schöpfen die Unternehmen die gesetzlichen Fristen für das Erreichen ihrer selbst gesteckten Ziele aus und wählen die Maximalfrist von fünf Jahren. Viele Umsetzungsfristen laufen daher bis 2022, teilweise auch bis ins Jahr 2024.

Im Mai 2015 trat das Gesetz zur gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst (Führungspositionen-Gesetz – FüPoG) in Kraft. Neben einer verpflichtenden Quote von 30 Prozent für das unterrepräsentierte Geschlecht im Aufsichtsrat von börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Gesellschaften (fixe Geschlechterquote), schreibt das Gesetz allen betroffenen Gesellschaften die Festlegung sogenannter Zielgrößen für den Vorstand sowie die erste und zweite Führungsebene unterhalb des Vorstandes vor (flexible Geschlechterquote).

In der Studie wurden insgesamt die 90 im DAX sowie MDAX notierten Gesellschaften analysiert. Diese wurden daraufhin untersucht, inwieweit sie die gesetzlichen Vorgaben zur Frauenquote umgesetzt haben. Grundlage der Untersuchung bildeten dabei die Lageberichte der jeweiligen Gesellschaften für das Geschäftsjahr 2018. 

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